PRODUZENTEN

 

 

 

QUINTA Do COTTO, DOURO

MIGUEL CHAMPALIMAUD

Für Veränderungen braucht es Ideen und um sie durchzusetzen eine starke Persönlichkeit. Miguel Champalimaud Besitzt ohne Zweifel beides.

Seit einer seiner Vorfahren als General in der Schlacht von Buçaco mitgefochten hat, ist ein kämpferischer Zug in der Familie nicht zu verkennen.

Er steht für seine Interessen ein: 1986 brachte er zusammen mit dem Besitzer der Quinta da Romaneira das Monopol der Portweinhäuser zu Fall. Es verbot vormals den Produzenten die Direktvermarktung ab Quinta ohne Einschaltung eines Zwischenhändlers. Und obwohl sich der Verkauf für viele kleine Produzenten ohne herausragendes Produkt als schwierig erweist, ist der Markt dadurch offener geworden. Das genügt Miguel Champalimaud aber nicht. Jetzt kämpft er gegen das Gesetz des Drittels an, das jährlich die Menge der zum Verkauf stehenden Portweinvorräte reguliert.

Er fordert die Liberalisierung der Produktion und die endgültige Einführung des freien Marktes. Während 1974 die Revolution Portugal erschütterte, zog er sich in den konservativen Norden des Landes zurück. Nicht weit von der Quinta do Côtto entfernt liegt Teixeiro in der Region Minho nördlich der Serra do Marão. Von dort aus leitete Miguel Champalimaud die Quinta do Côtto, wo er mit dem Grande Escolha den ersten Quinta-Wein Portugals schuf. Teixeiro steht unverdient im Schatten dieses Dourowein-Monuments. Das Herrenhaus von Teixeiro ist ein typisches Gebäude des 14./15. Jahrhunderts, manche Teile sind sogar noch älter.

Wie in ganz Europa, wurden um 1880 die Weingärten der Quinta von der Phylloxera völlig vernichtet. Ab 1978 wurden die Rebberge, etwa zwölf Hektar, neu mit den besten traditionellen Traubensorten bepflanzt, mit Avesso und Loureiro. Der erste „Paço de Teixeiro“, der auf den Markt kam, war der Jahrgang 1985.

Die Quinta do Côtto liegt im Douro an der Grenze zum Minho. Das Haus, ein grosses, elegantes Gebäude von Anfang des 18. Jahrhunderts, steht dort, wo im 15. und 16. Jahrhundert bereits ein früheres Haus errichtet worden war, dessen Fundamente sind heute noch zu sehen. Die hintere Fassade der Quinta enthält Elemente, die auf die erste Niederlassung der Familie Montez, vor 1140, zurückdatiert werden, und verschiedene Dokumente erwähnen die Rebberge in Cidaldelhe ab dem 14. Jahrhundert. Wie die anderen Weingüter, hat die Quinta stark unter der Phylloxera gelitten. Ab 1932 wurde sie wieder der Produktivität zugeführt und die Modernisierung in Angriff genommen. Seit 1956 wird dieser Erneuerungsprozess vor allem durch die Einführung neuster Vinifikationstechniken für Rot– und Weissweine und durch die Auswahl geeigneter Traubensorten betrieben.

Miguel Champalimaud hat mit seinen Projekten für die Ertragsverbesserung der Touriga Nacional wesentlich zur Wiedereinführung dieser gefährdeten hochklassigen Traubensorte beigetragen.

Das Klima im Westen der Appellation, im Baixo Corgo, ist unüblich für das Douro: es fällt mehr Regen und die Temperaturen sind tiefer. Von den über hundert Hektar Land der Quinta do Côtto sind fünfzig mit Reben bestockt, das Alter der Pflanzen liegt bei zwei Dritteln des Bestandes zwischen zwanzig und fünfzig Jahren, beim Rest zwischen fünf bis zehn Jahren. Gehegt werden Tinta Roriz, Bastardo, Touriga Francesa, Touriga Nacional und Tinta Barroca. Alles einheimische Sorten des Douro. Das und die Beschränkung auf gutseigene Trauben garantieren Qualität und „goût du terroir“.

Erstaunlich bei dieser Lage, wird nicht zuerst auf Portwein gesetzt. Das Dourotal gilt unter Produzenten und Händlern als eine der besten Weinbauregionen überhaupt. Das Traubengut ist von ausgezeichneter Qualität. Seit einigen Jahren ist hier eine zunehmende Tendenz zur Rotweinproduktion zu beobachten.

Ein Feld, das auch die grossen Portweinfirmen für sich zu entdecken beginnen. Doch es war Miguel Champalimaud, der endgültig das Potential des Douro für trockene Rote beweisen hat. Das, nachdem für mehr als drei Jahrzehnte der Barca Velha als grosse Ausnahme gegolten hat.

Der Grande Escolha ist der Spitzenwein der Quinta do Côtto. Als erster kam der 1982er, von den folgenden Jahren setzten nur wenige zu solchen önologischen Höhenflügen an. Denn nicht jedes Jahr genügt den Ansprüchen.

Durch die radikale Auslese der Jahrgänge hat sich der Grande Escolha den Ruf als einer der besten Weine Portugals erworben. Mit ihm hat Miguel Champalimaud seine Vorstellungen vom idealen Roten verwirklicht: ein Wein mit Typizität und goût du terroir, schon jung zu trinken, aber mit Eleganz und Lagerkapazität versehen. Und die gefällige Art des jungen Grande Escolha hat wohl schon mancher Flasche einen vorzeitigen Abgang beschert. Dabei altert er ausgezeichnet. Eine Lagerfähigkeit von 15 bis 20 Jahren ist wahrscheinlich, zeigt doch der 1982er noch keine Zeichen von Ermüdung.

Die Traubenmischung entspricht der eines Portweins, dazu kommt der einjährige Ausbau in kleinen Fässern aus neuer portugiesischer Eiche.

Die Weinmacher der Quinta do Côtto sind die Rotweinspezialitsten im Douro, wird kein Grande Escolha gekeltert, gibt es dafür den „normalen“ Quinta do Côtto. Ihn deshalb als zweitklassig zu bezeichnen, würde diesem saftigen, vollen Wein keinesfalls gerecht, erweisen sich doch die Jetztjahrgänge, die damals zu gering für einen Grande Escolha schienen, diesem als beinahe ebenbürtig.

Miguel Champalimaud sieht die Zukunft Portugals auf den internationalen Märkten in der Produktion von Qualitätsweinen, als ob es für ihn etwas anderes gäbe.